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FABRIC Talkshows – mit PlanBude, NL Architects, ExRotaprint, SAK, inSite / Casa Gallina, Atelier d’Architecture Autogerée

Wie wäre es, wenn die Gestaltung der Städte nicht mehr in den Händen von Wenigen läge – sondern von Vielen gemacht würde? Bevor der PlanKiosk steht und die sommerliche Wunschproduktion beginnt machen wir uns mit den FABRIC Talkshows schlau. Sie sind herzlich eingeladen!

17. November 19:00 Werkraum Schöpflin, Franz Ehret Str. 7, Lörrach-Brombach

FABRIC (Lörrach)

23. November 19:00 Villa Schöpflin, Franz Ehret Str. 7, Lörrach-Brombach

PLANBUDE (Hamburg) und

NL Architects (Amsterdam)

17. November 2017: FABRIC

Den Anfang der Talkshows macht das FABRIC Team selbst: Was haben wir vor? Was können Sie tun? Was heißt Wunschproduktion? Und wie unterscheidet sich das von anderen Beteiligungsverfahren? Das FABRIC Team stellt den Prozess vor, umreißt den gedanklichen Hintergrund – und zeigt Beispiele aus der eigenen urbanen Praxis. Die wurde schon auf der Documenta ausgestellt, und in der Wiener Secession. Nicht verpassen!

23. November 2017: PLANBUDE (Hamburg) und NL Architects (Amsterdam)

Für viel Diskussion sorgt aktuell die PlanBude in Hamburg – denn die stellt seit 2014 die Regeln der Stadtplanung vom Kopf auf die Füße: Im Ballsaal des FC St. Pauli in einer unabhängigen Stadtteilversammlung gegründet, hat die PlanBude einen offenen Planungsprozess mit künstlerischen Mitteln organisiert – und die Wünsche der Nachbarschaft für die neuen Esso-Häuser präzise in ein überraschendes Programm übersetzt. Das Projekt an der Reeperbahn ist Vorbild für den PlanKiosk – und das FABRIC Kernteam gehört dazu. Das Wunder: Verwaltung und Investor spielen mit, und die Wünsche aus dem Stadtteil sind die Basis für die weitere Planung. Künstlerin Margit Czenki und die Planerin Renée Tribble zeigen in einem bilderreichen Vortrag, wie man den St. Pauli Code knackt.

NL Architects haben auf Basis der Wunschproduktion der PlanBude den Städtebau entworfen – und (zusammen mit BeL aus Köln) gewonnen: Bespielbare Dächer, Hochhäuser mit Kletterwand, ein Punkrock Hotel – und 60% geförderter Wohnraum jkennzeichnen das Konzept. Kamiel Klaasse ist Gründer des niederländischen Büros, und erzählt uns, wie Planung mit so vielen unterschiedlichen Wünschen funktioniert. Das Büro hat gerade den Architekturpreis der EU, den renommierten Mies van der Rohe Award gewonnen. Bekannt für seinen fortschrittlichen, programmatischen Ansatz, hat das Büro attraktive Architektur unter Autobahnen geschaffen, gewagte Dachlandschaften gezaubert und einen toten Platz mithilfe eines Basketballfeldes auf dem Kioskdach aktiviert. Cool!

Und in 2018 geht es weiter – am ersten Februar-Wochenende gibt es die ganz dicke Packung: Den Auftakt macht Park Fiction.

8. 2. Park Fiction / Hamburg

„Die Wünsche werden die Wohnung verlassen und auf die Straße gehen“: Das 1994 gestartete Projekt wollte die Bebauung des Elbhangs verhindern – und hat stattdessen ungefragt einen parallelen Planungsprozess in St. Pauli organisiert. Heute gibt es den Park. Und der ist einer der beliebtesten Orte der Hansestadt. FABRIC Künstler Christoph Schäfer war von Anfang an, seit 1994, dabei – und prägte den Prozess der Wunschproduktion maßgeblich. Das Projekt ist ein international ausgestelltes Modellbeispiel für spielerische Planungsmethoden. Und dafür, wie eine Nachbarschaft durch die Zusammenarbeit von Kunst, Musikszene und unabhängiger Selbstorganisation Gestaltungsmacht erlangen – und ein Stück Stadt neu erfinden kann.

9.2. ExRotaprint / Berlin und SAK / Lörrach

Am 9.2. steht das SAK Lörrach mit dem weit über den Tellerrand hinausdenkenden Jürgen Rausch auf der Bühne, zusammen mit dem Berliner Projekt ExRotaprint. Die Künstler*innen Daniela Brahm und Les Schliesser haben es geschafft, ein Werksgrundstück im Wedding dem Immobilienmarkt zu entreißen – und in eine kollektive Eigentumsform zu überführen. Nicht nur für Künstler*innen, sondern vor allem für Arbeit, Produktion und Soziales – ähnlich, und doch ganz anders als das SAK. Zu dauerhaft günstigen Mieten. So kann Arbeit in Zitat: „Vermieten ist fast wie kuratieren.“ (Brahm). Ungewöhnlich! Neuartig! Beispielhaft!

10.2. inSite / Casa Gallina / Mexico City

Den Februar-Block beschließt der mexikanische Kurator Osvaldo Sanchez mit einem Talk über die Casa Gallina in Mexico City. Das Haus ist ein neuartiger Kunstort. Kunst wird dort nicht mehr ausgestellt, sondern in Zusammenarbeit mit dem umliegenden Stadtteil gemacht! Dabei verändern sich beide Seiten – die Kunst und die Nachbarschaft – spannend. Sanchez hat zuvor das grenzüberschreitende Kunstfestival inSite gegründet. Das Festival war ein Vorreiter einer neuen, engagierten Kunst im öffentlichen Raum – und thematisierte die Mauer zwischen USA und Mexico rund um San Diego und Tijuana, lange bevor Donald Trump das Thema erneut zum Wahlkampfschlager machte. Seien Sie dabei, wenn Sanchez sie mitnimmt auf eine Reise durch die ganz aktuellen Kunstbewegungen, die in Mexico fast zwangsläufig immer auch politische Bedeutung haben.

 

29.4. AAA – Atelier d‘Architecture Autogerée

Doina Petrescu und Constantin Petcou sind die Gründer dieses Ateliers „für selbstgemachte Architektur“. Seit Beginn der 2000er sorgen die radikal basisorientierten Projekte der beiden Planer*innen für Furore – die EcoBox war eins der ersten Urban Gardening Projekte mit Biß und Schliff. Mit R-Urban schafft AAA derzeit 3 Orte rund um den Pariser Stadtkern, an denen recycling und urbane Landwirtschaft so weit getrieben wird, dass Orte entstehen „für Leute, die aus dem Kapitalismus aussteigen wollen“. Und dem Vernehmen nach planen die beiden derzeit ein großes Stück Stadt, das wie ein WIKI mit dem Wissen von Vielen entstehen soll. AAA sind nicht nur herausragende Praktiker*innen, sondern unterfüttern ihre Praxis theoretisch. Konsequenterweise sind sie nun auch Visiting Professors an der Harvard University in Boston. AAA ist der lebendige Beweis, das ein hoher theoretischer Anspruch und radikal basisorientierte Praxis kein Widerspruch sind – sondern sich gegenseitig befeuern können.